Interschutz 2010: Tag 1 Anreise und Fahrzeugtechnik

An unserem ersten Tag auf der Interschutz in Leipzig haben wir den Fokus vor allem auf die Fahrzeugtechnik sowie auf die Stände im Aussenbereich gelegt. Mittwoch morgen um 8 Uhr ging es los, vier Mitglieder der Feuerwehr Weyhe machten sich auf den Weg nach Leipzig. Nach einem frühen Mittagessen (Vor Eintritt zur Messe, ist wohl günstiger) ging es dann los.

Gleich in der ersten Halle empfing uns der von Ziegler aufgebaute Mercedes Zetros. Ein Ungetüm mit drei Achsen und Reifen wie Schlauchboote. Nach diesem Kulturschock wurde es dann wieder etwas ruhiger. Jede Menge Fahrzeuge mit vielen Interessanten Detaillösungen wurde ausgestellt.

Bei der Firma Lentner habe ich nun zum ersten Mal in einer Mannschaftskabine gesessen, die in den Aufbau integriert ist. Leider wurde meine persönlichen Erwartungen an diesen Raumgewinn allerdings nicht erfüllt. Ich hätte wesentlich mehr Freiheit in der Breite und auch einen einfacheren Einstieg erwartet. Das ausgestellte LF20/16 hatte vier Sitzplätzte entgegen der Fahrtrichtung mit PA-Halterungen ausgestattet und drei Sitzplätze in Fahrtichtung für den Rest der Mannschaft. Rein subjektiv war allerdings kein Zugewinn an Platz gegenüber einer Klassischen Kabine fühlbar. „Besetzt“ war das Fahrzeug mit 6 Messebesuchern die dem (tatsächlichen) Mitglied einer Feuerwehr sehr nahe kommen.

Interessant auf dem Stand war allerdings ein ELW 1 aufgebaut auf einem Mercedes Sprinter mit Kofferaufbau. Wie bei Rettungswagen quasi Standard wird das Fahrgestell mit einem Koffer ergänzt. In diesem fanden sich ein Funkraum mit fest installierten Sitzen (die auch während der Fahrt nutzbar sind) sowie ein über einen sep. Eingang zu erreichender Besprechungsraum. Zwischen Fahrerkabine und Funkraum wurde ein nutzbarer Durchgang realisiert.  Der Kofferaufbau sorgte für einen ordentlichen Raumgewinn und sehr viel nutzbare (gerade) Flächen an den Wänden.

Ebenfalls ausgesetellt wurde das durch den Bund ausgeschriebene LF-KatS. Grundlage ist ein LF10/6 welches angepasst und erweitert wurde. Auffällig waren dort die B-Schläuche in den Tragekörben. Ob diese sich in der Praxis durchsetzten bleibt abzuwarten.

Herstellerunabhängig fiel die uneinheitliche Bedingung der Pumpen und fest eingebauten Aggregate auf. Jeder Hersteller kocht dort sein eigenes Süppchen. Angefangen beim Touch-Screen bis hin zu Riesig anmutenden Hebeln für die Umschaltung von Tank- auf Saugbetrieb. Wo sich die Hersteller nun doch schon auf einheitliche (technische Schnittstellen, FireCAN) geeinigt haben wäre es doch auch an der Zeit der entsprechenden Fachempfehlung „Standardisierten Pumpenbedienfeld“ des DFV Rechnung zu tragen.

Schlingmann und Lentner zeigten beide ein neues Konzept zur besseren Verteilung der Achslasten bei Feuerwehrfahrzeugen. Das bekannte Problem, dass die Hinterachse über- und die Vorderachse (im Verhältnis) entlastet wird ist dort durch eine Änderung der Position von Pumpe und Wassertank gelösst. Lentner hat die komplette Pumpe inkl. Bedieneinheit und Anschlüsse in die Mitte des Aufbaus verlegt, besser hat da die Idee von Schlingmann gefallen.

Dort sind zwar der Wassertank ebenfalls an die vordere Aufbauwand und die Pumpe direkt dahinter gerutscht, aber die Anschlüsse (Abgänge, Saugeingang, Tankfüllstutzen, etc.) sind am Aufbauende verblieben. Das mutet zwar etwas seltsam an, erscheint aber sinnvoll. Laut Schlingmann Standpersonal wurden so min. 700 kg Gewicht von der Hinterachse genommen. Neben einigen Gewichtseinsparungen durch die Massnahmen kommt dies vor allem durch die Verlagerung auf die Vorderachse zu Stande. Unter dem Strich sicher ein Konzept welches weiter verfolgt werden muss um die aktuellen Probleme lösen zu können.

Ebenfalls interessant war bei dem Fahrzeug die Idee, keine Beladung auf dem Dach zu lagern, die nicht auch vom Boden entnommen werden kann. So ist für Schieb- als auch Steckleiter eine mechanische Entnahmehilfe vorgesehen. An beiden Halterungen wurden zusätzlich Konstruktionen für je zwei Saugschläuche (inkl. Korb) angebracht. Diese werden mit den Leitern abgesenkt und können entnommen werden. Sehr praktisch wie ich finde, da diese Saugschläuche so keinen Stauraum im Aufbau wegnehmen. Für weitere Details zu dem Fahrzeug verweise ich auf die Zeitschrift Brandschutz 5/2010, dort wird das Fahzeug in einem Gastartikel vom Hersteller beschrieben.

Durchgängig zeigten fast alle Hersteller Beleuchtung solwohl Innen als auch Aussen in LED Technik. Gleiches gilt für die Sondersignalanlagen. Viel getan hat sich seit der letzten Interschutz auch im Bereich der Konturmarkierungen und Kontrastflächen auf den Fahrzeugen. Kein „nacktes“ Fahrzeug war zu sehen, minimum waren gelbe Konturmarkierungen.

Im Aussengelände dominierten eindeutigt die Hubarbeitsbühnen (HAB) die mit dem 112 Meter Mast von Bronto Skylift ihren (im wahrsten Sinne) Höhepunkt erreichten.

Besonderes Augenmerk habe ich an diesem Tag neben den LF20/16 natürlich auf die ELW 1 gelegt. Dort gab es einige Interessante Varianten für den Innenausbau zu sehen. Klar ist jedoch geworden, dass wenn man einen kleinen Besprechungsbereich und einen Funkraum realisieren will ein 3,5 Tonnen Fahrzeug nicht ausreicht. Auf einem größeren Fahrzeuge (Sprinter oder Crafter) lässt sich da schon einiges realisieren. Herausgestochen haben insbesondere die Fahrzeuge von TDS Invents und Gute-Sonderfahrzeuge (GSF) aus Twist.

Neben der Fahrzeugtechnik haben wir an dem Tag die ersten Hersteller von Brandsimulationsanlagen besucht. Vor allem Preislich zeigte sich da eine weite Schere, technisch und von der Vielfallt der Modelle her gab es da weniger Überraschungen. Interessant war, dass es inzwischen eine breite Palette von Übungsfeuerlöschern für die Ausbildung gibt.

In einem weiteren Artikel werde ich auf den zweiten Tag in Leipzig eingehen. Da dreht sich dann alles um den Bereich des Digitalfunks, der Schutzkleidung und der Absauganlagen in Fahrzeughallen.

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